Buddhismus und Musik

Verwendung von Musik im Buddhismus

Musik kann die Gefühle der menschlichen Seele beschreiben. Ein religiöses Lied oder fromme Lobpreisungen des Buddha führen die Seele in eine heilige und reine Welt. Aus diesem Grund nimmt die Musik im Buddhismus einen wichtigen Platz bei der Verbreitung der Religion ein.

Die Entwicklung der buddhistischen Musik

Die traditionelle buddhistische Musik, welche aus der Zeit des Buddha stammt, hiess ursprünglich „Brahmanen-Gesang“ (Hymnen in Sanskrit). Im alten Indien waren poetische Lobgesänge weit verbreitet. Der Buddhismus übernahm diese Methode, um die Vorzüge des Buddha zu preisen. In den Sutras werden immer wieder Lobgesänge erwähnt. Das Amitabha-Sutra schildert das Westliche Lautere Land des Buddha Amitabha als von Klängen erfüllt. Während der Maurya-Dynastie war der Kaiser Asoka mit ganzer Kraft bemüht, den Buddhismus zu verbreiten. Die sich entwickelnde Musik verwendete von dieser Zeit an vielfältige Instrumente, wie Bronzegong, Trommel, Querflöte, Muschelhorn usw. Schon früh erreichte die buddhistische Musik in Indien ein hohes Niveau.

Nach der Einführung des Buddhismus in China gab es anfänglich nur Übersetzungen von Sutras, jedoch keine Unterweisungen im „Brahmanen-Gesang“. Da Sanskrit und Chinesisch sehr unterschiedlich strukturiert sind, war die Übertragung schwierig. Um dieses Problem zu lösen, verwendeten die Mönche in der buddhistische Musik Elemente der Volksmusik und der höfischen Musik, woraus schliesslich eine eigenständige chinesische buddhistische Musik entstand. In dem Werk „Gao Sheng Zhuan“ (einer Sammlung von Biographien buddhistischer Meister) wird erwähnt, dass im alten Indien traditionell alle buddhistischen Klänge „Brahmanen-Gesang“ genannt wurden. Deshalb bedeutete Sutra-Gesang eigentlich „Sutra-Rezitation“, und Lobpreis wurde als „Brahmanen-Gesang“ bezeichnet.

In China entstand der „Brahmanen-Gesang“ etwa zur Zeit der Drei Reiche unter der Regierung des Königs Chao-Wei (220-265). Sein Bruder Chao-Zhi war in Dichtung und Musik sehr bewandert. Man erzählt, dass er, als er sich einmal auf dem Fischberg in der Provinz Shan-Dong aufhielt, plötzlich vom Himmel her ertönende buddhistische Lobgesänge vernahm, die Edel, anrührend und wahrhaftig klangen. Er schrieb die Melodien sofort auf und entwickelte daraufhin den einzigartigen chinesischen Stil für den „Brahmanen-Gesang“. Seine von ihm als „Fischberg-Brahmanen-Gesang“ bezeichnete Musik war der Beginn des buddhistischen „Brahmanen-Gesanges“ in China.

Zur Zeit der Südlichen und Nördlichen Dynastien (420-550) übte König Jun durch seine Hingabe an die buddhistische Musik grossen Einfluss auf sein Volk aus. Kaiser Liang (er regierte von 502-557) war dem Buddhismus tief ergeben und liebte die buddhistische Musik ausserordentlich. Er führte verschiedene spirituelle Verfahrensregeln ein und ermöglichte es, dass die traditionelle Musik Chinas und die buddhistische Musik miteinander verschmolzen.

Seit der Entdeckung einer Vielzahl von Liedern der Tang-Dynastie (618-907) in den Felsenhöhlen von Dun-Huang, die buddhistische Sutras zum Inhalt haben, weiss man um die Bedeutung die buddhistischen Musik innerhalb der chinesischen Musik insgesamt. Während der Yuan-Dynastie (1271-1368) nutzte man zwar die Volksmusik zur Verbreitung des Buddhismus, aber die buddhistische Musik war bereits vorher populär geworden. Durch seine mangelnde Kreativität entfremdete sich zur Zeit der Republik China (1912-19  ) der Buddhismus dem Volk weitgehend. Trotz der Bemühungen des Ehrw. Meister Dai-Xü und des Mönches Hong-Yi wurde der Dharma in der Gesellschaft nicht genügend weiterverbreitet. Heute hat die buddhistische Welt dem „Brahmanen-Gesang“ und den sakralen Gesängen erneut Bedeutung zugemessen. Sie verwandelte die Musik in Botschafter für die Verbreitung der Lehre des Buddha, so wie ein Baum nach dem Frühlingsregen grün wird. Seit 1979 führt der Fo-Guang-Shan-Tempel auf Taiwan und überall auf der Welt den gesungenen und getanzten „Brahmanen-Gesang“ bei feierlichen buddhistischen Zeremonien auf. Die traditionellen „Brahmanen-Gesänge“ werden dabei mit modernen chinesischen buddhistischen Gesängen, mit klassischer beispiellose Pionierarbeit hat in der Bevölkerung grossen Widerhall gefunden und für die weite Verbreitung des Buddhismus gesorgt.

Leistungen der buddhistischen Musik

Der „Brahmanen-Gesang“ wird in einer friedvollen Weise gesungen, um die Werke und Erhabenheit der Buddhas und Bodhisattvas in allen Welten zu preisen und auch um die auf Palmblatt-Manuskripten tradierten buddhistischen Schriften zu rezitieren. Über die Jahrtausende hinweg haben die Buddhisten ihre religiösen Gefühle der Verehrung der Buddhas und Bodhisattvas in zahlreiche wunderbare Dichtungen gefasst und der Nachwelt weitergegeben, wodurch die chinesische Kultur erheblich bereichert wurde. Bei feierlichen Anlässen wie den buddhistischen Zeremonien mit der Darbringung von Opfergaben preisen u.a. der feierliche „Lobgesang für den Weihrauch“ und der „Lobgesang für die Silas“ die Vorzüge des Heilsamen.

Die Rezitation des „Brahmanen-Gesanges“ erforderte innere Ruhe, Zurückhaltung, Konzentration und Einfühlungsvermögen. Sie umfasst auch 5 Grundeigenschaften wie Aufrichtigkeit, Friedlichkeit, Klarheit, Vollkommenheit und Achtsamkeit. In dem Buch „Shi Son Lü“ werden 5 verschiedene Vorteile genannt, die man beim Anhören des „Brahma-Gesanges“ gewinnen kann: der Körper ermüdet nicht, der Geist bleibt klar, ohne Anstrengung, ohne Beschädigung der Stimme, in einer verständlichen Sprache. In dem Werk „Nan Hai Ji Gui Zhuan“ heisst es, dass die auswendige Rezitation des „Brahmanen-Gesanges“ 6 verschiedene Fähigkeiten erzeugt: Wissen über die erhabenen Vorzüge des Buddha, Erkenntnis und Verständnis des Dharma, friedfertige Rede, Gemütsruhe, Begegnung mit den Mitmenschen ohne Angst und Furcht, ein gesundes langes Leben.

Der „Brahmenen-Gesang“ wird hauptsächlich in drei Bereichen verwendet: bei der Abhaltung von Zeremonien vor und nach der Darlegung der Lehre, während der täglichen Hingabe an den Buddhismus und beim Bussritual. Die Rezitation des „Brahmanen-Gesanges“ dient nicht den Zweck, die 7 Gefühlsregung (Freude, Ärger, Leiden Furcht, Liebe, Düften, Hass, Gier) und die 6 Arten des Begehrens (Begehren nach Formen, Tönen Düften, Geschmack, Tastempfindungen und Geistesobjekten) zum Ausdruck zu bringen. Vielmehr fördert sie Bescheidenheit, d.h. Aufmerksamkeit auf menschliche Gefühle, menschlichen Willen und menschliche Vorstellungen. Sie umfasst einen Bereich, in welchem der Mensch sein Herz läutern und sein Begehren zügeln, seine wahre Natur entdecken und seinen ursprünglichen Geist erkennen kann.

 

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Last Update 14. 八月 2010