Neujahrsbrief 2008 vom Grossmeister Hsing Yun


Liebe Bewahrer des Dharma, liebe Freunde!

Euch allen ein glückliches Neues Jahr!

Seit ich angekündigt habe, dass ich seltener öffentlich in Erscheinung treten werde, habe ich dennoch nicht aufgehört, in fortschreitendem Masse den Dharma zu propagieren. Ungeachtet dessen habe ich weiterhin die Bildung und Erziehung gefördert, habe Schriften verfasst, meinen Stammtempel instand gesetzt und den Humanistischen Buddhismus propagiert. Ich habe mich ohne Unterlass mit Entschlossenheit dem Streben nach einer reineren, besseren und schöneren Erde gewidmet. Schnell vergeht die Zeit, und der Duft der Pflaumenblüten hat sich zum Jahresende wieder eingestellt. Rechtzeitig zum Beginn des Neuen Jahres möchte ich den tiefen Wunsch äussern: Mögen all unsere Beschützer des Dharma und alle Freunde und Anhänger gesegnet sein mit „Glück und Wohlergehen für künftige Generationen” und „harmonischen Verhältnissen in jeder Hinsicht”.

Es hat mir schon immer Freude gemacht, ungefragt zu helfen. Obwohl ich nicht mehr an Konferenzen teilnehme oder umfangreiche Reden halte, habe ich im letzten Jahr vor Gläubigen bei den Dharma Services der FGS[1]-Zweigtempel gesprochen und bin rund um die Welt zu FGS-Tempeln gereist, wo ich den Leuten zeigte, wie man den La-pa Congee[2] kocht, der anstelle von Tee als Zeichen der Wertschätzung unserer Anhänger und Beschützern des Dharma dient. Auch habe ich die zukünftige Entwicklung unserer Kunstgalerie, Water Drop Teahouse[3] und der Open University geplant, wobei ich hoffe, dass sie weiterhin im Geist des „fröhlichen Gebers“ wirken, denn je mehr man gibt, desto geräumiger wird die Welt. Bezüglich der Rolle, die BLIA[4] und FGS in der heutigen Gesellschaft spielen, habe ich angeregt, den Dharma mit vielfältigen Aktivitäten und mit Begeisterung zu verbreiten. Bei den Seminaren des Lesekreises, Vorstellen akademischer Arbeiten und Forum der Doktoren und Magister betonte ich auch die Notwendigkeit, Begabungen zu fördern und die Gewohnheit des Lesens zu entwickeln, da der Wissenserwerb im Trend der heutigen Zeit liegt. Ich bin davon überzeugt, dass Lesen und Wissen die zwei grundlegenden Faktoren darstellen, wie man ohne Hindernisse die weltlichen Dinge handhaben kann.

Zum 16. Jahrestag von BLIA ermutigte ich die Mitglieder von Buddha’s Light auf der ganzen Welt dazu, den Buddhismus im Alltag durch die Grundsätze „Glücklich verbringe deine Zeit, mit aufrechtem Charakter beschreite den Pfad deines Lebens, lebe mit sorglosem Geist, und sorge immer für dein geistiges und körperliches Wohlbefinden” zu erfahren. Ausserdem hielt ich Dharma-Ansprachen über “Chiffren des Lebens” und “Die Kraft des Durchhaltens” im Three-Gorges-Museum und dem Sichuan Buddhist College im Huayan-Tempel, Chongqing und führte Gespräche mit Liu Chang-Le, dem geschäftsführenden Präsidenten des Hong Kong Phoenix-Fernsehens über die Themen “Das Phoenix -Fernsehen und Fo Guang Shan”, “Umgang mit dem eigenen Geist”, “Die Philosophie der Toleranz” und “Eine harmonische Gesellschaft”. Obwohl die sozialen Probleme endlos sein können, muss man sich doch klarmachen, dass sie letztendlich durch die Gier, den Hass und die Unwissenheit der Menschen verursacht sind, und dass der Weg zu einem friedvollen Leben in „dem Unterlassen alles Unheilsamen und dem Tun alles Heilsamen” besteht, wie es ja im Buddhismus dargelegt wird, sodass die Reinigung des eigenen Wesens und seiner Wünsche vollbracht werden kann. Gleich ob ich Reden halte, wenn nötig, oder mit Freude Belehrungen erteile - Sprache und Schrift sind Mittel, mit denen ich meinen demütigen Gedanken und Lebenserfahrungen im Dharma Ausdruck verleihe. Es ist mein tief empfundener Wunsch, dass dies zumindest ein wenig zum spirituellen Wachstum und der Entwicklung der Menschheit beitragen möge.

Im Juni letzten Jahres besuchte ich wegen einer Gesundheitskontrolle die Mayo-Klinik in Minnesota, zu der mich James Yuan-Hsiu Chao und seine Frau Lydia mit grosser Herzlichkeit eingeladen hatten. Die unaufdringliche und freundliche Arbeitsatmosphäre dort inspirierte mich dazu, einen Artikel mit der Überschrift „Bericht über meine medizinische Untersuchung in der Mayo-Klinik in Rochester” zu schreiben, der im „Better Life Magazine“ erschienen ist.

Das 21. Jahrhundert ist eine Ära des globalen Dorfes. Es ist von grosser Wichtigkeit, dass zwischen Mahayana, Theravada, esoterischem und exoterischem Buddhismus und auch anderen Religionen friedliche Koexistenz und Harmonie herrschen. Als Vorsitzender des Ausschusses für Religionen bin ich für die Förderung des Austauschs zwischen den Religionen in Taiwan verantwortlich. In diesem Sinne wurde am letzten Neujahrstag die  Musikalische Andacht für Achtung und Fürsorge für 2007 in Zusammenarbeit der christlichen Kirche und zwölf anderer religiösen Organisationen veranstaltet, während die Stadtverwaltung von  Kaohsiung ein interreligiöses Forum zusammenrief und die John Tung-Foundation sieben bedeutende religiöse Organisationen zu Gespräch und Austausch über Suizidprävention einlud. All diese Veranstaltungen sind gemeinsame Anstrengungen für eine bessere Zukunft und für Frieden und Liebe der Menschheit untereinander - und das ist wirklich ein Anlass zu Freude und Jubel.

Auf der anderen Seite ist der Bau der Fo Guang Shan Nantai-Tempel, Zweigtempel in Tokio, Auckland und Christchurch, und der Chung Tian-Tempel-Pagode erfolgreich vollendet worden. Auch die Jian Zhen-Bibliothek in Yangzhou wurde am Neujahrstag nach über zwei Jahren Bauzeit eingeweiht. Für die Zukunft planen wir ausserdem, das Internationale Forschungszentrum für Buddhismusstudien in Gold Coast, Australien, einzurichten, um Studien des Buddhismus und die interreligöse Harmonie zu fördern.

Die Nachrichten des bedauernswerten Ereignisses um die buddhistischen Mönche in  Myanmar trafen ein, während ich den Vorsitz über eine Zufluchtnahme und Zeremonie der fünf Regeln in Australien innehatte. Sie sind tapfer aus den Türen ihrer Klöster getreten, um dem Sehnen des burmesischen Volkes nach Frieden eine Stimme zu geben. Obwohl sie ihrer Hoffnung nach einem verbesserten Staat durch eine friedliche Sitzdemonstration Ausdruck verliehen, wurden die purpurroten Roben, die ein Symbol für grosses Mitgefühl und grossen Mut sind, bedauerlicherweise durch das Blut der Gewalttätigkeit befleckt. Mit Gewalt kann dieser Welt niemals Frieden gebracht werden. Lasst uns in aller Aufrichtigkeit den Buddha um fortwährende Unterstützung und anhaltenden Segen für diese Mönche in Myanmar anrufen.

Während der gesamten Geschichte des Buddhismus gab es darin keinerlei Versuche, jemanden mit Gewalt zu unterwerfen. Vielmehr haben die Menschen den Buddhismus wegen seines Geistes des Mitgefühls und der liebenden Güte beglückt angenommen. Jeder von den buddhistischen Tempeln her vernommene Glockenklang trägt den innigen Wunsch nach „dem Aufhören der Kriege für immer und dem Ende der Gewaltanwendung“ mit sich. Es heisst, dass der Klang der Glocke in alle Welten getragen wird und dass ihre Klangwellen den fühlenden Wesen in allen dreitausend Reichen Furchtlosigkeit und Frieden bringen.

Die Glocke des Hanshan-Tempels in Suzhou, China, wurde durch ein Gedicht aus der Tang-Dynastie – „Night Mooring at Maple Bridge[5]” – weltberühmt, und noch heute können alle Menschen auf Taiwan sie erklingen hören. An dieser Stelle möchten wir dem Ehrwürdigen Meister Qiu Shuang vom Hanshan-Tempel unseren tief empfundenen Dank dafür aussprechen, dass er seine gütige Zustimmung erteilte, Fo Guang Shan ein Duplikat der Glocke als Geschenk zu überreichen. Diese „Glocke des Friedens und der Harmonie” im Tang-Stil symbolisiert Harmonie und Freundschaft zwischen diesen beiden verbrüderten Tempeln. Im Linkou-Stadion wurde eine besondere Zeremonie abgehalten, um den Klang dieser Friedensglocke willkommen zu heissen und um Frieden auf beiden Seiten der Meerenge von Taiwan und Freiheit von den Schrecken des Krieges zu beten.

Um unseren Gedanken über diesen aussergewöhnlichen und wunderbaren Anlass Ausdruck zu verleihen, verfassten Yeh Xiao-wen, der chinesische Direktor der staatlichen Verwaltungsstelle für Religionsangelegenheiten, und ich jeweils ein Gedicht: “ Es ist derselbe Mond, der über Flusses Biegung scheint, / und doch sind beide Ufer schlaflos, wie von Heimweh wund. / Sag nicht, des Buddhas Licht sei weit entfernt zur Stund, / denn Brüder sind nun durch der Glocke Klang vereint.” Und: “Die Verbindung der Ufer - dem Traume gleich. / Fleisch und Knochen dagegen verbinden sich nie. / Der alte Hanshan Tempel aber bringt Friedensklang / all den Weg von Suzhou bis hin nach Taiwan.”[6]

Weiterhin erwähnenswert ist, dass BLIA Chunghwa und die Central Devotee’s Association[7] des Chogye-Ordens des koreanischen Buddhismus zu Schwestergesellschaften geworden sind, die Fo Guang-Universität und die Otani-Universität in Japan haben eine Vereinbarung über akademischen Austausch unterzeichnet und die Pu-Men Senior High School und die Fernost-Universität kooperieren partnerschaftlich in Bezug auf strategische Bildungskonzepte. Das Mädchen-Gymnastikteam der Pu-Men-Schule belegte in dem Gruppenwettstreit bei dem staatlichen Wettbewerb den ersten Platz, Fo Guang Shan in Christchurch gewann den Nationalen Architekturpreis und den Civic Trust Award 2007 für hervorragende Energieeffizienz im Gebäudebereich (green building) und der Chung Tian-Tempel wurde von Day Trip Secrets in Brisbane in die Liste der beliebten Pilgerstätten aufgenommen.

Dieses Jahr war fruchtbar für den Humanistischen Buddhismus, da er sich von Taiwan in andere Teile der Welt verbreitet hat. Der Nan Hua-Tempel organisierte die erste buddhistische Gruppenhochzeit in Afrika, das Fo Guang Shan-Konferenzzentrum in Genf führte seine erste Zeremonie der acht ethischen Regeln durch, das buddhistische Zentrum in Kalkutta veranstaltete die Feier zum Geburtstag des Buddha „Bathing the Buddha Float“[8], bei dem daran erinnert wird, wie Buddha das indische Kastensystem in Frage stellte und betonte, dass alle Menschen gleich sind und ein Recht darauf haben, den Dharma zu erfahren und zu erlernen. Die Fackel für die Olympischen Spiele 2008 machte Station bei IBPS[9] Holland, und unter der Leitung des Ehrwürdigen Hui Chan hielt die BLIA Young Adults Division[10] ihre internationale Konferenz in der Kongresshalle der Vereinten Nationen in der Schweiz ab. All diese historischen Ereignisse sind das Ergebnis vieler Jahre der Hingabe der Mitglieder von Buddha’s Licht. Sie sind es, die diese grossartigen Resultate ermöglicht haben.

In Reaktion auf globale Fragen organisierten BLIA-Sektionen und FGS-Zweigtempel überall auf der Welt eine Reihe von Veranstaltungen, um sich am Welt-Umwelttag zu beteiligen, wie zum Beispiel das Säubern von Stränden, das Pflanzen von Bäumen und Aufforstung, Durchführung von Umweltschutzcamps und Energiesparmassnahmen. Als Echo auf den “Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung“[11] wurde in Europa ein internationaler Kinder-Zeichenwettbewerb veranstaltet, um den Kindern Fürsorge für die Menschheit und Mitgefühl verstärkt ins Bewusstsein zu bringen. Die neu eingerichteten Fachbereiche der BLIA YAD-Universität organisierten Wohltätigkeitsreisen auf die Philippinen und rund um Taiwan, um jungen Erwachsenen eine Gelegenheit zu bieten, die Leiden dieser Welt zu erfahren, mit Armut konfrontiert zu werden und zu lernen, dankbar für das zu sein, was ihnen gegeben wurde.

Der „FGS New Year Neighborhood Day[12]“ veranstaltet noch immer seinen Jahreslauf, und dies seit über zwei Jahrzehnten; die FGS Compassion Foundation[13] hat das Gesundheitskontrollprogramm der Stadt Kaohsiung für neue Einwanderer unterstützt; IBPS London ist nun die erste buddhistische Organisation in Europa, die ein Gebet für Obdachlose durchgeführt hat; BLIA hat ein Rezitationsseminar und eine Studienreise für staatliche Lehrer durch Taiwan, bei der Fragen von „Familie und Schule“ angesprochen wurden, veranstaltet; die Nan Hua-Universität hielt das „Seminar über den Einfluss einer niedrigen Geburtenrate auf die höhere Schulbildung und Strategien zur Anwerbung von Studierenden“ ab; und die Buddha’s Light Open University und der Fachbereich Psychologie der Asia University initiierten gemeinsam das „Religious Counseling Laboratory“[14]. All diese Veranstaltungen der Sozialerziehung sind lebendige Beispiele für die Geisteshaltung „Den Pfad des Buddha praktizieren“.

Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, initiierte FGS ein Projekt der Informationsdigitalisierung, um unseren Freunden und Anhängern einen besseren Service zu bieten. Die FGS-Website wird jedes Jahr von über fünf Millionen Menschen besucht und bietet tägliche FGS-Nachrichten, eine Sutra-Transkription online, Gebete und auch eine Morgen- und Abend-Rezitationsmöglichkeit, um das Internet zu einem Mittel spiritueller Kultivierung zu machen; die Zeitung „Merit Times“ bringt jetzt eine Wochenend-Ausgabe heraus, um vertiefende Informationen über Humanismus anzubieten; die Humanistic Buddhist Reading Association[15] hat ein Medium für Bücherliebhaber zur Verfügung gestellt, damit sie ihre Leseerfahrungen austauschen können; und schliesslich ist BLTV[16] zu der einzigen nicht gewinnorientierten Fernsehstation Asiens geworden, deren innovative Programme es Zuschauern auf der ganzen Welt ermöglichen, den Beitrag der chinesischen Gemeinschaft zur gesellschaftlichen Entwicklung kennenzulernen.

Die schnelle Entwicklung von Technologie und Wirtschaft bringen es auch mit sich, dass sich Probleme des menschlichen Daseins erheblich verkomplizieren. Ein Lösungsversuch für solche Probleme kann nicht ohne eine verstärkte Konzentration auf Bildung und Erziehung vorgenommen werden, weil dies auch in Zukunft und für alle künftigen Generationen Einfluss auf den menschlichen Geist hat. Ich habe der klösterlichen und sozialen Bildung und Erziehung die Mühen vieler Jahre gewidmetluss auf den menschlichen Geist hat. ftigen Generationen e werden, wien- und Abend-Chanting-Service, um das Interna und damit sichergestellt, dass dieses Feld der Begabungen unaufhörlich kultiviert wird. Im vergangenen Jahr haben im Fachbereich buddhistische Studien der Fo Guang-Universität begonnen. Dies ist die erste Einrichtung höherer buddhistischer Bildung mit Anerkennung vom Ministerium für Bildung und Erziehung in Taiwan. An dem ersten Kurs nehmen fünfzig Studierende teil, Unterrichtssprache ist Englisch. Ebenso ist das Frauen-Basketballteam dieser Universität, das von Lee Hyung-Sook geleitet und trainiert wird, ein lebendes Beispiel für eine vollständig integrierte Bildungsmassnahme für hervorragende Sportstudierende. Das Ya Yue Court-Orchester der Nan Hua-Universität hat auch Einladungen erhalten, weltweit aufzutreten, und demonstriert somit einen jugendlichen und kraftvollen Aspekt des Buddhismus.

Die Errichtung des neuen buddhistischen College in Indien hat begonnen; die Zeremonie der Grundsteinlegung der Nan Tien-Universität in Australien hat auch stattgefunden; und die Pu-Men Senior High School wird Anfang dieses Jahres auf ihren neuen 1,2-Milliarden-Dollar-Campus umziehen. Darüber hinaus stehen die Master Hsing Yun and Humanistic Buddhism Academic Conference[17] und das Buddhist Studies Theses Forum[18] für die Mitglieder des Fo Guang Shan-Ordens für meine höchsten Erwartungen an meine Schüler, ein gründliches Verständnis buddhistischer Studien und grössere Fähigkeiten in der Verkündung des Dharma zu erwerben. Was Bildung und Erziehung betrifft, so planen wir, die Buddhist Education League[19] einzurichten, um den Einflussbereich der buddhistischen Bildung und Erziehung auf der Welt zu erweitern, indem die Ressourcen des Bildungs- und Erziehungssystems von Fo Guang Shan mit den entsprechenden Systemen der Universitäten von Taiwan, Japan, Korea and China zusammengelegt werden.

Um das Lesen in der Gesellschaft zu fördern, richtete die FGS Foundation for Culture and Education[20] den Cloud and Water Mobile Bookshop[21] ein. Diese mobile Bibliothek wird Klassiker und gute Gegenwartsliteratur an entlegene Orte bringen und so einen neuen Aspekt sozialer Bildung und Erziehung einführen. Die Urban Buddhist School hat an verschiedenen FGS-Zweigtempeln mit einigen Klassen begonnen; Fo Guang Shan Malaysia organisierte ein buddhistisches Examen, das Tausende von Prüflingen anzog; und das Leseseminar des Humanistischen Buddhismus und die National Reading Expo haben die Themen “Sorge für die Gesellschaft” “Lesen” und “Spirituelle Kultivierung” eingeführt, um die tieferen und grundlegenden Perspektiven des Buddhismus als Teil des menschlichen Lebens vorzustellen. Zusätzlich zu dem schon Genannten haben all die Veranstaltungen, wie zum Beispiel Studien von Leben und Tod, vergleichende Philosophie, buddhistische Musik in Ostasien, Buddhist Youth Academic Conference[22], Chan and Humanistic Buddhism Academic Forum[23], National Teacher’s Life Education Camp[24], das Fo Guang-Literaturseminar über englische buddhistische Texte, BLIA YAD-Seminar der europäischen Unterabteilungen, Internationale Konferenz des Buddha-Lichtes für junge erwachsene Führungskräfte 2007, das Sommercamp für Kinder, das „Happy Chanting Camp“ für Kinder und die Übungsseminare der Fo Guang Yuan-Kunstgalerie überall in Taiwan zum Glanz des Humanistischen Buddhismus beigetragen.

Was Kultur und Kunst betrifft, so organisierten das „Universal Gate“-Magazin und die Tageszeitung „Sin Chiew Daily“ in Malaysia gemeinsam den Literaturpreis des Meisters Hsing Yun und die Dharma-Gesprächsreihe, wobei es über siebenhundert Registrierungen gab. Das 2006 gegründete buddhistische Orchester „Sounds of the Human World”[25] ging auf eine Konzerttournee durch ganz Taiwan. Auf den Philippinen fand “Siddhartha: A Musical Journey to Enlightenment[26], eine Überarbeitung von A Biography of Sakyamuni Buddha und Cloud and Water[27], enormen Zuspruch. In der Zukunft des Buddhismus werden Kunst und Literatur erblühen.

Mitte April war ich dazu eingeladen, einen Vortrag an der Yuelu-Akademie in der Stadt Changsha, Provinz Hunan, China, zu halten, die von dem Ehrwürdigen Zhi Xuan eingerichtet wurde. Als ich von dem Bauprojekt für das chinesische Akademie-Museum hörte, bot ich mit Freude an, dazu einen Beitrag zu leisten, um meiner Sorge und Unterstützung für Kultur und Erziehung Ausdruck zu verleihen.

Zum Ende des Jahres 2007 verbrachte ich fast zwei Monate damit, durch China zu reisen. Ich war hocherfreut, den Buddhismus in diesem Land gedeihen zu sehen; die Menschen sind nicht nur ehrlich und freundlich, sie haben auch Freude daran, den Namen des Buddha zu rezitieren. Suzhou ist bekannt als „der Ort gerade unter dem Himmel, zusammen mit Hangzou“, die schöne Landschaft ähnelt einem Reinen Land des Buddha. Ich habe die Hoffnung, dass meine Schüler die Funktion der Jiaying Lodge (Jiaying huiguan) als „spirituelle Servicestation” zu vollem Einsatz bringen – als einen Ort, wo Menschen spirituellen Trost und geistige Annehmlichkeiten durch so etwas Einfaches wie ein Gemälde, eine Tasse Tee oder eine Schale Congee[28] finden können. Die Eröffnungsausstellung der Lodge ist auf „Rocks”, was sehr gut zu der buddhistischen Vorstellung passt, dass sogar Icchantikas[i] Buddhas werden können. Übrigens glaube ich auch daran, dass alle den Mut haben sollten, zu sich selbst zu sagen: „Ich bin ein Buddha.”

Während meiner Reise wurde ich auch dazu eingeladen, eine Rede über das „Teilen von Reichtum und gesellschaftlicher Harmonie” bei dem 5. globalen Gipfeltreffen chinesischer Führungskräfte, der in Pudong Shangri-La, Shanghai, stattfand, zu halten. Wie viel Reichtum man auch immer haben mag, es wird doch immer eine Grenze geben, und Geld verleiht unserem Leben und unserem Geist nicht notwendigerweise Zufriedenheit und Glück. Während wir nach physisch greifbarem Reichtum streben, müssen wir auch das nicht Greifbare ansammeln wie Weisheit, Sittlichkeit, Mitgefühl und einen Geist der Reue. Diejenigen, die Reichtum besitzen, müssen auch lernen, wie man teilt, gute Neigungen entwickelt, gibt und dient, denn was man von der Gesellschaft gewonnen hat, sollte auch im Interesse der Gesellschaft verwendet werden. In Ergänzung zu Reichtum braucht man auch Harmonie, denn Harmonie ermöglicht Reichtum, und Reichtum sollte dazu verwendet werden, eine harmonische Gesellschaft zu fördern.

Ausser dem schon Genannten besuchte ich auch die Jiao Tong-Universität in Shanghai, ein modernes Bildungsinstitut mit einer Geschichte von hundert Jahren und einer Studierendenschaft von Vierzigtausend oder mehr. Ich besichtigte dieses grosse Universitätsgelände mit Ehrfurcht, und mir wurde klar, dass es noch so vieles gibt, was ich zu lernen habe.

Da meine ältere Schwester, die schon lange in Guangxi lebt, mich mehrmals eingeladen hatte, richtete ich es mir schliesslich ein, mich in Liuzhou mit ihr zu treffen. Obwohl wir beide alt und krank sind, macht es mich noch immer sehr glücklich, sie in ihrem Haus voller Enkelkinder zu sehen. Aus weltlicher Sicht könnte man sagen, dass es meine Schwester ist, die sich des Glücks und eines langen Lebens erfreut, ich aber derjenige bin, der noch immer ledig ist. Wie es auch sei, ich habe ein halbes Jahrhundert mit Auslandsreisen und einem Leben verbracht, wo ich nichts besitze und die Unzähligen meine Familie sind. Ich bedauere in keiner Weise, diesen Pfad gewählt zu haben. Aus einer unterschiedlichen Geisteshaltung haben eine Frau und ihr Bruder sehr unterschiedliche Lebensformen gewählt.

Ausser dass ich die geschäftigen und gedeihenden Städte Peking, Shanghai und Nanjing besuchte, flog ich auch nach Yunnan, um das buddhistische College von Yunnan zu besuchen und den Buddhismus im Königreich Dali[29] und ebenso das einfache, aber herzerwärmende Volk der Xi-Shuang-Ban-Na, eine Minderheit, zu erleben. Als ich den schönen See von Kunming mit seiner Herbstlandschaft und auch die majestätische Tigersprung-Schlucht des Flusses Jingsha betrachtete, musste ich einfach zugeben, dass diese Landschaft ihren Ruf eines „Shangri-La” zu Recht hat. Darüber hinaus ist die Harmonie, die hier zwischen dem tibetischen und dem Theravada-Buddhismus herrscht, ein Musterbeispiel für interreligiösen Austausch.

Jeden Tag dieser zweimonatigen Reise verbrachte ich damit, Orte zu besuchen, Gäste zu begrüssen, meine Schüler zu unterrichten und Belehrungen zu geben – ein Leben, bei dem man ununterbrochen rotiert. Vielleicht war ich körperlich erschöpft, aber ich war immer guter Dinge. So wie ich von meinen Schülern erwarte, dass sie praktische Erfahrungen machen, so sollte ich auch nach meinen eigenen Lehren leben, indem ich meine Sinnesorgane öffne und mit einem demütigen Geist durch die Welt reise, um von jedem Menschen, dem ich begegne, zu lernen.

Wenn ich auf meine Zeit in Taiwan zurückblicke, kann ich sie in fünf Jahrzehnte unterteilen: eigenes Wachstum, Einrichtung der Ilan Buddhist Chanting Association[30], Gründung von Fo Guang Shan, Einrichtung von BLIA und das Ermöglichen der Internationalisierung des Buddhismus. Hinzu kommt die Wiederherstellung des Dajue-Tempels, des Stammtempels von FGS. Der Dajue-Tempel ist der Ort, wo mir vor siebzig Jahren meine Tonsur geschert wurde, und dort wurde ich vor sechzig Jahren ein Grundschulleiter. Bei der Rückkehr zu diesem Ort waren die Höhepunkte der Vergangenheit nicht mehr gegenwärtig. Ich habe die unvermeidliche Pflicht, die Wiege meiner Dharma-Überlieferung wiederherzustellen, und auch die tiefe Erwartung an die Schüler von Buddha’s Light, dass sie sich daran erinnern, woher sie alle gekommen sind, und dass sie die Verantwortung auf sich nehmen, ihren Stammtempel zu restaurieren.

Jetzt, da ich an dieser Stelle meines Briefes innehalte, ist schon wieder ein neuer Frühling eingekehrt. An diesem Punkt meines Lebens angekommen kann ich nicht umhin, mich zu fragen, wieviel mehr ich von mir selbst der Welt noch geben könnte. Wie viel von meinem Herzen kann ich dem Buddhismus noch schenken? Meister Zhao Zhou pflegte trotz seines Alters von achtzig Jahren zu reisen, um die letzte Wahrheit und Tugend zu erlangen. Für mich, einen ebenso achtzig Jahre alten Mönch, ist es so, dass ich die Welt mit der Hoffnung bereiste, ein Leben von dreihundert Jahren zu verwirklichen und mein Lebensprinzip hochzuhalten: „Habe niemals das Herz, fühlende Wesen leiden zu sehen oder zuzulassen, dass der Buddhismus degeneriert.”

Am ersten Tage des Jahres 2008 bete ich aufrichtig darum, dass alle ihre wahre Natur entdecken und “Glück und Wohlergehen für künftige Generationen[ii]” haben mögen, und dass alle Völker die Hindernisse der Region, der Rasse und der Hautfarbe überwinden mögen, um als Eines in einem humanistischen Reinen Land zusammenzuleben, das mit “harmonischen Verhältnissen in jeder Hinsicht” gesegnet ist.

 

Ich grüsse Euch mit gefalteten Händen,

Hsing Yun

Neujahrstag 2008


[1] FGS = Fo Guang Shan (deutsch wörtlich: Buddha Licht Berg = Name des zentralen Tempels auf Taiwan)

[2] Reisbrei

[3] Wörtlich: Wasserfall-Teehaus

[4] BLIA = Buddha’s Light International Association = Internationale Gesellschaft des Buddha-Lichtes 

[5] Wörtlich: Nächtliche Anlegestelle an der Ahornbrücke

[6] Im englischen Ausgangstext:
“The same moon shines over the bend of shallow water, / yet both shores remain sleepless over homesickness; / Say not that Buddha’s Light is a thousand miles away, / for brothers are now joined by the sounds of the bell.” //
“The mundane connection between the two shores have been like a dream, / flesh and bones are like paths that never cross; / the ancient Hanshan Temple of Suzhou / has now delivered the sound of peace to Taiwan.” //

[7] Zentrale Gesellschaft der Gläubigen

[8] Waschen des Buddha-Festwagens

[9] IBPS = International Buddhist Progress Society = Internationale Gesellschaft für den Fortschritt des Buddhismus

[10] BLIA-Abteilung für junge Erwachsene

[11] International Day for the Eradication of Poverty

[12] Nachbarschaftstag zum Neuen Jahr

[13] FGS-Stiftung für Mitgefühl

[14] Religiöses Beratungslabor

[15] Wörtlich: Humanistische buddhistische Lesegesellschaft

[16] Buddha’s Light Television

[17] Akademische Konferenz des Meisters Hsing Yün und des Humanistischen Buddhismus

[18] Dissertationsforum für buddhistische Studien

[19] Wörtlich: Liga für buddhistische Bildung

[20] Wörtlich: Stiftung für Kultur und Bildung

[21] Mobiler Buchladen „Wolken und Wasser“

[22] Akademische Konferenz der buddhistischen Jugend

[23] Akademisches Forum für Chan und Humanistischen Buddhismus

[24] Staatliches „Life Education Camp“ für Lehrer

[25] Melodien der menschlichen Welt

[26] Siddhartha: eine musikalische Reise zur Erleuchtung

[27] Das Leben des Buddha Shakyamuni; Wolke und Wasser

[28] Reisbrei

[29] Das Königreich Dali (chin. 大理国/大理國, Dàlǐguo (937-1253) der Bai befand sich auf dem Gebiet der heutigen Provinz Yunnan in China.

[30] Buddhistische Chanting-Gesellschaft


[i] Icchantika – Ein fühlendes Wesen, von dem man annimmt, dass es aufgrund seines Wesens unempfänglich für die Lehre des Buddha ist und niemals die Erleuchtung erlangen wird

[ii] 「子德芬芳」– das erste chinesische Schriftzeichen, ‘zi’, steht für die folgenden Bedeutungen:  
1. „Du”: Mögest du und deine Laufbahn wohl gedeihen, wo alles gut ist.
2. „Jahr der Maus”: Möge während dieses Jahres alles gut verlaufen und glückverheissend bleiben.
3. „Kommende Generationen”: Mögen all deine kommenden Generationen eine Zukunft in Wohlhabenheit und moralischer Integrität geniessen.


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Last Update 01. 九月 2010